Unglückliche Niederlage für die 1.Herren – MTV 7:6 VfL

Veröffentlicht: Sonntag, 15. Januar 2017 18:57
Geschrieben von Simon Samstag

Zum Rückrundenauftakt müssen die 1.Herren die erste Saisonniederlage quittieren. In einem speziell in der zweiten Halbzeit packenden Schlagabtausch sind die Marburger letzten Endes das glücklosere zweier Teams und ziehen beim MTV Kronberg mit 6:7 den Kürzeren. Trotz der Niederlage bleiben die VfL-Cracks an der Tabellenspitze.

 

Im ersten Match nach der Weihnachtspause waren die 1.Herren beim MTV aus Kronberg gefordert. Der VfL wollte sich dabei nicht vom ergebnisklaren 11:3 aus dem Hinspiel blenden lassen, nachdem Kronberg im Vergleich zu damals mit teils bundesligaerfahrenen Akteuren heute personell stark aufgerüstet antrat und somit nicht als gewöhnlicher Aufsteiger zu betrachten war. Da die Marburger im ersten Spiel nach dem Abschied von Trainer Berthold Kaiser personell jedoch aus dem Vollen schöpfen konnten, rechnete sich das bisher noch ungeschlagene Team unter Betreuung von VfL-Veteran Rasmus Klemm-Mayer dennoch Chancen auf den nächsten Dreier aus.

Beide Teams starteten zunächst reserviert in die Partie, streng darauf bedacht den Gegner nicht durch unnötige Fehler ins Spiel kommen zu lassen. Kronberg überließ dem VfL dabei häufig den Ballvortrag, schien aus einer engen Raumdeckung heraus mit schnellen Kontern zum Abschluss kommen zu wollen. Marburg wollte sich seinerseits nicht zu leichtfertigen Ballverlusten locken lassen und so entwickelte sich ein risikoarmer Stellungskampf, in dem sich beide Teams schwer taten aus eigenem Aufbau heraus zu kreieren. So waren es vor allem schnelle Umschaltaktionen, aus denen Gefahr entstand und wodurch auch Marburg nach etwa 8 Minuten durch Goalgetter Jonathan Eberle mit 1:0 in Führung ging. Nachdem die Taunusstädter ihre ersten beiden Strafecken auch aufgrund einer starken Rettungstat von David Bickenbach auf der Linie nicht nutzen konnten, konnte der VfL auf der anderen Seite seine erste Standardsituation durch Moritz Pilch zum zweiten Treffer verwerten. Nach den Treffern nahm das Spiel mehr Fahrt auf, beide Teams suchten nun zielstrebiger den Weg nach vorne. Die Marburger Defensive wurde durch das flexible Aufbauspiel der Hausherren jetzt stärker geprüft, so dass der heute wieder glänzende VfL-Torhüter Andreas Büchler sich ein einige Male auszeichnen musste. Aber auch die Marburger fanden jetzt häufiger die Lücken im Verteidigungswall der Gastgeber, brachten den Ball bei guten Gelegenheiten von Bickenbach, Samstag und Döring zunächst aber nicht im Gehäuse unter. So war es schließlich Maximilian Hinke, der nach einem Abpraller am schnellsten schaltete und das 3:0 besorgen konnte. Kurz danach dann Aufregung auf der Gegenseite, als Constantin Wolf einen Kronberger Eckennachschuss von den Unparteiischen zunächst ungeahndet von der Linie köpfte und erst nach Kronberger Protesten und Meldung des VfL-Stürmers auf Siebenmeter mit dem darauffolgenden 1:3 entschieden wurde. Nur wenige Augenblicke später war das komfortable Führungspolster schon fast ganz dahin, als ein leichtfertiger Ballverlust im Marburger Aufbau zum 2:3 führte. Marburg schien von dem Doppelschlag jedoch unberührt und reagierte noch vor der Halbzeit: Nachdem Georg Langwielers dominanter Offensivausflug erst mit dem dritten Foul gestoppt werden konnte, donnerte Eberle die resultierende Ecke zum 4:2-Halbzeitstand ein.

Nach dem Seitenwechsel kam Kronberg zunächst besser aus der Kabine und erzeugte großen Druck, so dass der VfL kaum zu eigenen Aktionen kam. Auch bedingt durch zwei Marburger Orientierungslosigkeiten brauchten die Gastgeber so nur kurz, um aus dem Rückstand ein 4:4 zu machen. Die kalte Dusche schien Marburg allerdings zu vitalisieren, so dass sich nach dem Einstand wieder ein ausgeglichenes Spiel entwickelte. Dass der VfL dann zwei lukrative Chancen zur erneuten Führung liegenließ, rächte sich nur kurze Zeit später auf bittere Weise: Allen Marburger Protesten zum Trotz übersahen die sonst fitten Schiedsrichter einen Kronberger Fuß, der den Weg zum 4:5 ebnete. Noch während der VfL mit dem Treffer zu knabbern hatte, setzte der MTV mit einer Ecke zum 4:6 direkt nach. Erstmals in dieser Saison stand der VfL mit dem Rücken zur Wand, zeigte in dieser Situation aber Charakter. Auch bedingt durch das Zurückziehen der Kronberger, berappelte sich Marburg wieder und erackerte sich gute Chancen im Minutentakt. So rauschte Wolfs Rückhand nur haarscharf am Pfosten vorbei, während auch eine herrliche Kombination über die Stationen Döring-Morherr-Eberle nur Zentimeter neben dem Tor endete. Ein wenig später wurden die Marburger Mühen aber schließlich belohnt, als Eberle mit einer weiteren Eckenpeitsche zum Anschluss verwandeln konnte. Marburg hatte jetzt wieder den Fuß in der Tür und machte weiter Druck auf den Ausgleich, der so dann auf sehenswerte Art fallen sollte: Nach einer vergebenen Kronberger Ecke machte Langwieler Tempo und setzte den alleine vorm Torhüter verwaisten Constantin Wolf in Szene, der seine heute starke Leistung mit einem traumhaften Rückhandstecher zu seinem ersten Tor in Marburger Farben krönen konnte. Bei nur noch wenigen verbleibenden Minuten stand das Spiel jetzt auf Messers Schneide, beide Teams schienen sich mit einem Punkt nicht zufrieden zu geben. Doch während Marburg vor dem Tor mehrmals das Fortune verließ, konnte Kronberg mit einem berechtigten Siebenmeter etwa drei Minuten vor Schluss erneut in Führung gehen. Marburg gab sich auch danach nicht auf, aber auch mit dem 6.Feldspieler sollte es trotz guter Gelegenheiten heute einfach nicht sein.

Eine anfangs schwer zu verdauende Niederlage für die VfL-Cracks, wäre heute mit etwas mehr Glück an beiden Enden der Platte mit Sicherheit mehr drin gewesen. Da Kronberg aber insgesamt auch einfach sehr gutes Hockey zeigte, ist der Sieg für die Grün-Weißen sicherlich nicht unverdient. Alles in allem steht auf der Habenseite aber eine gute Leistung von uns, haben wir uns gegen eine starke Defensive viele Chancen erarbeitet und insbesondere mit dem Comeback nach dem 4:6 auch mentale Stärke und Reife zeigen können. Damit lässt sich den restlichen Spielen positiv entgegenblicken, beginnend nächsten Sonntag zuhause gegen TEC Darmstadt II, wo wir die aufgrund unseres Weihnachtsspecks bewahrte Tabellenführung weiter verteidigen wollen (Anstoß 10 Uhr, kleine Georg-Gaßmann-Halle).

Es spielten: Andreas Büchler – Moritz Pilch (1), Simon Morherr, Georg Langwieler, Simon Samstag – Matthias Döring, Maximilian Hinke (1), Constantin Wolf (1), David Bickenbach, Daniel Keil und Jonathan Eberle (3).

Spieler des Spiels: Constantin Wolf – wacher und griffiger Auftritt, brachte nicht nur mit seinem Sahne- und Debüttreffer jederzeit Energie ins Spiel. Zudem zeigte er auch große sportliche Fairness.